Diese Pioniere brachte die Bilder zum Lügen
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Diese Pioniere brachte die Bilder zum Lügen

Seit Menschen die Fotografie entdeckt haben, manipulieren sie. Sehr früh schon erkannten sie die Macht der Bilder und wie man mit ihnen die öffentliche Meinung verfälschen kann. In der National Gallery of Art in Washington konnte man schon vor Jahren die Ergebnisse von 180 Jahren Fälschungen bestaunen. Eines der berühmtesten Kunstfotos der Welt bewies schon vor 60 Jahren, was alles mit der Manipulation der Bilder möglich ist. Hauptdarsteller des Kunstwerks war Yves Klein.

Der Sprung in die Leere

Er sprang mehrfach von einem Hausdach auf die darunterliegende Straße. Die Distanz betrug immerhin zehn Meter, erschien dem Betrachter also unmöglich. Was man nicht sehen konnte war, dass sich in jener Straße in Paris nicht der harte Asphalt der Realität befand, sondern zwölf kräftige Männer, die ein weiches Sprungtuch hielten, auf dem der wagemutige Held landete. Als die Zeitung Dimanche das Bild veröffentlichte, war von den Helfern und dem Tuch jedoch nichts zu sehen. Die Technik, die er für seine Manipulation verwendete, war zu diesem Zeitpunkt bereits hundert Jahre alt. Er verband einfach zwei Aufnahmen zu einer einzigen und spielte dem Betrachter vor, tatsächlich einen unmöglichen Sprung gewagt zu haben.

Mit Photoshop wurde alles möglich

An diesen Techniken hat sich bis heute nichts verändert. Menschen manipulieren Aufnahmen jeden Tag. Sei es bei Modefotos, in sozialen Netzwerken oder um eine klare Botschaft zu transportieren. Jeder der über Zugang zu einem Computer oder zu einem Smartphone verfügt, kann sich an solchen Manipulationen versuchen. Mit dem technischen Fortschritt ist die Form der Beeinflussung kinderleicht geworden. Die Software Photoshop revolutionierte die Bildbearbeitung, seither ist so gut wie alles möglich geworden. Wie das funktioniert und welche Ergebnisse damit möglich sind, zeigte die Schau „Faking it“, die im Frühjahr 2013 in der Hauptstadt der USA zu sehen war.

Fotografen betonen allerdings, dass der Einsatz von Photoshop die Natur der Fotografie kaum verändert habe. Schließlich würden nun nur andere Techniken angewandt, die Motivation ein Bild zu manipulieren sei immer noch die Gleiche. Selbst die Ergebnisse hätten sich nicht verändert. Kleins berühmtes Bild aus den 1960er Jahren demonstriert dies nachdrücklich. Er hatte damals einfach in der Dunkelkammer zwei Fotos derselben Straße zu einem einzigen zusammengesetzt. Der obere Teil zeigte den Sprung vom Dach des Hauses, der untere Teil zeigte die fast menschenleere Straße. Die Fotografen, die dieses Meisterwerk der Manipulation damals zusammengesetzt hatten, waren Harry Shunk und János Kender. Ihre Szenerie lässt Yves Klein tatsächlich so aussehen, als würde er fliegen. Sein Sprung in die Leere erschuf eine perfekte Illusion, sie wirkt bis heute täuschend echt.

Rund 100 Jahre zuvor hatten bereits Édouard Baldus und Carlton E. Watkins mit dramatischen Landschaftsaufnahmen von sich reden gemacht. Dazu fotografierten sie den Himmel und die Landschaften getrennt und bastelten daraus stimmige Bilder. Der Grund für ihre Technik lag in den damals verwendeten Chemikalien. Diese reagierten stark auf blaues Licht und sorgten für eine Überbelichtung des blauen Himmels. Ihre Manipulationen dienten also dazu die technischen Grenzen auszuweiten. Heute ist die Manipulation von Bildern in allen Bereichen gang und gäbe. Wer eine Kamera in die Hand nimmt, beginnt ab diesem Zeitpunkt seine eigene Version der Geschichte zu erzählen.