Photoshop hat unsere Wahrnehmung der Realität verändert
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Photoshop hat unsere Wahrnehmung der Realität verändert

Vor 30 Jahren wurde eine Software entwickelt, die unser aller Bild von der Welt nachhaltig verändert hat. Die Bildbearbeitung, die nach dem Markteintritt von Photoshop möglich wurde, übertraf alle Erwartungen. Sie begleitete nicht nur den Übergang von der analogen zur digitalen Fotografie, sondern war auch ein maßgeblicher Wegbereiter des Internets und seiner erfolgreichsten Anwendungen.

Drei Jahre lang arbeitete Thomas Knoll in Michigan an seiner Software, die zunächst nur die Graustufen auf einem Schwarz-Weiß-Bildschirm anzeigen sollte. Sein Bruder gab ihm jedoch den entscheidenden Rat zu einer vollständigen Bildbearbeitungs-Software. Der war ein Mitarbeiter der berühmten Special Effects Firma Industrial Light & Magic, deren Aufstieg untrennbar mit den ersten Star Wars Filmen verbunden war.

Alle schummeln

Und so entwickelte sich Photoshop zu einem umfassenden Programm. Im Zuge einer Vorstellungsrunde des Projektes sicherte sich das Unternehmen Adobe die daran. Das sollte sich als Glücksgriff erweisen. Obwohl Photoshop keineswegs die erste oder einzige Bildbearbeitungssoftware war, wurde die Entwicklung von Thomas Knoll zu einem Renner. Heute ist es längst die Grundausrüstung von Fotografen, Webdesignern und Grafikern. Der Begriff „photoshoppen“ hat sich in das kollektive Gedächtnis der Menschheit eingebrannt und steht für die Bearbeitung von Bildern. Der negative Aspekt dieses Branding ist jedoch, dass man Photoshop gemeinhin auch mit der Manipulation von Bildern in Verbindung bringt. Doch aus dieser bereits seit vielen Jahren eingeschlagenen Richtung gibt es längst kein Zurück mehr. Gerade in der Medien- und Marketingszene wird geschummelt, wo es nur geht. Das Werkzeug erster Wahl dafür ist eben Photoshop mit seinen unzähligen Möglichkeiten die Realität wie gewünscht zu verformen. Da werden die Werbe-Sujets aufpoliert, die Gesichter verändert und das Gewicht künstlich reduziert. Das ist alles schon lange kein Problem mehr. Trotz der immer wieder aufflammenden gesellschaftlichen Kritik, hat sich an dieser Praxis nichts verändert, ganz im Gegenteil. Fotofilter sind längst auch fixer Bestandteil jeder Kamera-App geworden.

Memes geben der Geschichte einen neue Richtung

Kaum ein Bild in sozialen Medien wie Instagram, das nicht optimiert wurde, um den Schein zu wahren. Doch wer lediglich die Manipulation als das Hauptwerkzeug von Photoshop begreift, tut der Anwendung der Software Unrecht. Schließlich ermöglicht das Programm auch die Schaffung von unzähligen witzigen Memes im Internet, die die Kommunikation im Netz vorantreiben. Sie greifen aktuelle Ereignisse sofort auf und kreieren daraus eine ganz andere Geschichte. Den Themen sind dabei keine Grenzen mehr gesetzt. Die Klassiker unter ihnen „überleben“ viele Jahre lang und tauchen immer wieder bei passender Gelegenheit auf.

Memes geben der Geschichte einen neue Richtung
Memes geben der Geschichte einen neue Richtung

Dass die Arbeit mit der Software einfache Aufgabe ist, kann man bis heute anhand zahlreicher Beispiele „bewundern“. Die berühmten Photoshop-Fails sind mittlerweile in gleichem Umfang bekannt, wie die erfolgreich umgesetzten Bearbeitungen. Die missglückten Werke werden genauso bejubelt, wie besonders geglückte Arbeiten. Gleichzeitig legen sie ungewollt offen, wie stark der Drang zur Nachbearbeitung der Realität geworden ist. Wie beliebt Photoshop mittlerweile geworden ist, zeigt auch eine andere beeindruckende Statistik. Diese wird den Hersteller zwar nicht freuen, doch sie beweist, dass das Konzept in alle Gesellschaftsschichten vorgedrungen ist. Photoshop zählt zu den am meisten kopierten Programmen der Welt. Experten gehen davon aus. Dass nur rund 40 Prozent der weltweiten Nutzer mit einer gültigen Lizenz arbeiten.