So können Bilder manipulieren
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So können Bilder manipulieren

Jeder kennt das geflügelte Wort, ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Doch der Eindruck täuscht, die Manipulation von Bildern hat eine große Tradition. Schließlich prägen sich Bilder in das kollektive Gedächtnis der Menschheit ein, da liegt es nahe daran herumzubasteln. Fotografien sind längst nicht mehr ein getreues Abbild der Realität.

Und doch gilt bis heute das Foto als authentisch. Dieses Image machen sich Manipulatoren zunutze. Gerade in sozialen Medien werden Bilder gerne dazu verwendet, ein Thema in eine bestimmte Richtung zu lenken und die öffentliche Meinung zu manipulieren. Hier rächt sich das Vertrauen, das Menschen in Bilder setzen.

Vier Formen der Manipulation

Ein Bild wird im Gehirn des Menschen real. Die Aufnahme der Informationen daraus gleicht jenen der Realität. Und doch bieten sie jede Menge Interpretationen. Durch die Manipulation zwingt der Manipulator dem Betrachter die gewünschte Interpretation auf. Bei der Bearbeitung von Bildern unterscheidet man grundsätzlich vier verschiedene Arten. Es handelt sich dabei um den Bildaufbau, die Symbolisierung, die Änderung des Kontextes und die klassische Retusche. Dabei werden entweder Details oder Teile des Bildes entfernt, bzw. hinzugefügt. Bestes Beispiel dafür sind die Fotofilter in den Sozialen Medien oder Modefotos. Diese bilden nicht die Realität ab, sondern eine verbesserte Form davon. Fehler werden entfernt, Vorzüge unterstrichen und hervorgehoben. Dass das auch mal schiefgehen kann, beweisen zahlreiche Photoshop-Unfälle, bei denen die Modelle plötzlich drei Arme oder Beine haben. Diese Form der Manipulation von Bildern kann heute jeder selbst ausprobieren. So kann man mit FaceApp sein eigenes Gesicht deutlich altern lassen. Dazu genügt bereits ein Klick.

Die Biologie macht es möglich

Damit die Manipulation funktioniert, bedienen sich die Fälscher den Sehprozessen des Auges. Dieses sortiert Informationen nach ihrer Relevanz für das Überleben aus. Schnelle Bewegungen lösen Emotionen aus, eine rationale Betrachtung findet daher nicht statt. Das nutzen Fälscher, indem sie gezielt diese Abläufe ansprechen. Entsprechendes Licht und eine dieser Logik folgende Bildsprache unterstützen diesen Ablauf. Ein gutes Beispiel für ein aus dem Zusammenhang gerissenes Bild ist die berühmte Ausnahme des kubanischen Revolutionärs. Che Guevara. Die symbolische Wirkung und die millionenfache Verbreitung des Porträts haben die Person dahinter zu einer modernen Ikone werden lassen. Dabei sind die Biografie und die Taten der historischen Person völlig in den Hintergrund gerückt. Seine Darstellung hat ihn zu einem charismatischen Widerstandsführer gemacht, dessen Taten keine Bedeutung mehr haben. Der Fotograf hat dem Betrachter die Interpretation der abgebildeten Person bereits durch das Setting mitgegeben.

Die Biologie macht es möglich
Die Biologie macht es möglich

Der Kontext eines Bildes kann auch durch die Bildunterschrift verändert werden. Sie gibt dem Betrachter ebenfalls vor, wie das Bild einzuordnen ist. Damit kann ein geschickter Manipulator mit einer harmlosen Szene eine dramatische Abbildung erreichen. Das verbietet in Deutschland beispielsweise der Pressekodex. Er weist darauf hin, dass der Sinn von Bildern nicht entstellt oder verfälscht werden darf. Stößt man selbst auf ein möglicherweise manipuliertes Bild, dann sollte man sich fragen, wer davon profitieren könnte, wer es veröffentlicht hat und welche Aussage das Bild unterstützen möchte. Die Antworten darauf geben bereits einen guten Hinweis auf eine Manipulation. Stammt das Bild dann auch noch aus einer wenig vertrauenswürdigen Quelle, dann ist der Fall klar. Hier versucht jemand mit einer manipulierten Aufnahme Stimmung für oder gegen etwas zu machen.